EXPEDITION - SIEDLUNG TIERGARTEN













Zentrale Kreuzung. Nichts los, Vögel zwitschern. In der Ferne das Geräusch eines Rasenmähers. Niemand hier, in der nach Westen verlaufenden Strasse steht ein Umzugswagen, Plane geöffnet, die Umziehenden wohl im Haus. Die Parkplätze leer, nur das Auto einer Kanalreinigungsfirma steht links auf einem Parkplatz. Der Platz geteert, mit feinsäuberlich angebrachten Hinweisen, wo gefahren werden darf und wo nicht. STOP steht hier und dort auf den Boden gemalt, obwohl hier ja gar nie jemand durchfährt. Vielleicht zu einer anderen Tageszeit schon, so dass dieses STOP dann auch tatsächlich einen Verkehrskonflikt lösen darf - jetzt allerdings ist niemand hier. Plötzlich ein Klingeln aus der Ferne; mir fällt ein: die Bahngeleise zum Üetliberg sind ja nicht weit. Die Barriere schliesst also, in dem Moment. Zwei junge Herren schreiten über den Platz, zielstrebig zum Umzugsfahrzeug. „Bro, nimsch du de Tisch?“ - „Ok“. Und der kleine Tisch wird vom Einen zum Eingang geschleppt, der Zweite bringt eine Stehlampe. Es rauscht, der Zug fährt an der Siedlung vorbei. Vögel zwitschern wieder, noch immer. Passanten hat’s nicht, man passiert hier wohl nur, wenn man hier wohnt. Doch, eine Dame quert die Strasse weiter südlich. Sie zieht einen violetten Einkaufswagen hinter sich her, gemächlich. Sitzmöglichkeiten gibts hier trotzdem keine, nur hecken, Container, Parkplätze und asphaltierte Strassen. Es gibt sie schon, allerdings erst hinter den Häusern, an den für sie vorgesehenen Rückzugsorten. Hier im Zentrum der Siedlung: Eingänge, versteckte Vorgärten, Strassenläufe, Bäume und Strassenlaternen, von Büschen umfasst. Es ist spätwinterlich, die Hecken blattlos, weshalb man ein wenig in die Vorgärten schauen kann, wo Spielgeräte und Sitznischen eingerichtet sind, allerdings unbenutzt wirken - wohl durch die Jahreszeit bedingt. Ein kleines Vogelhaus hängt im Baum, ungeschützt wirkt es, weil nur dünne Ästchen das Häuschen umgeben. Im Zentrum der Kreuzung geht’s in den Untergrund, ins Parkhaus, das laut Lageplan wohl der ganzen Siedlung unterliegt. Markante Eckbalkone würden es zulassen, die zentrale Kreuzung von jeder anliegenden Wohnung aus ins Visier zu nehmen, besetzt ist jedoch keiner. Eine Frau spaziert vorbei, vielleicht auf Besuch? Sie inspiziert den Lageplan, findet die gesuchte Nummer auf den beschrifteten Häuschen. Sie schaut herum, begibt sich Richtung Süden, und läuft zum zweiten Hauseingang auf der rechten Seite. Der Kanalreiniger scheint seine Arbeit erledigt zu haben, steigt in sein Auto, und fährt los.